SEO und SMO mit Facebook und twitter

geschrieben von Stephanie Kanitz am 09.12.2009

Nachdem sowohl Google als auch Microsoft beim Versuch Facebook und twitter zu kaufen scheiterten, wurde im Oktober 2009 bekannt, dass Bing einen Deal mit twitter und Facebook ausgehandelt hat. Durch die Kooperation wird es Bing möglich, twitter- und Facebook-Datenbestände -sprich Statusmeldungen und Kommentare- in Echtzeit zu indexieren.

Wenig später launchte Bing in den USA eine Beta-twitter-Suche. Darüber können direkt Twitter-Feeds gefunden werden und auf der Startseite wurden „Hottest Topics“ als Tag Cloud integriert.

Von Google kannte man bisher in den USA das Labs Experiment Google Social Search. Nimmt man an diesem Experiment teil, identifiziert Google die Personen aus dem eigenen sozialen Netzwerk, auch Social Graph genannt. Das funktioniert (noch nicht einwandfrei) über den eigenen Google Reader Account, Chats, GMail-Kontakte und das eigene Profil, was einen Google Account voraussetzt. Mit diesen Informationen können die Suchergebnisse um Beiträge, Websites oder Bilder von Personen aus dem eigenen Netzwerk bereichert werden.

Anfang dieser Woche kündigte Google ein ähnliches Produkt an, die Integration einer Realtime-Search, die im Zuge des ersten Launches erst einmal in allen englischsprachigen Ländern verfügbar sein wird. Anfang 2010 werden weitere Länder erwartet. Bis dahin können wir uns zumindest ein Bild dieser neuen Suche machen, denn Google Trends ist aus den Labs in die Welt entlassen worden und wurde zusätzlich mit dem Feature „Hot Topics“ ausgestattet. Darunter werden die bekanntesten Themen der Realtime-News angeteasert.

Was bedeutet das für all die twitter- und Facebook-Nutzer? Der Großteil der twitter-Nutzer zwitschert schon lange nicht mehr für einen ausgewählten Kreis und macht ihre Beiträge der Öffentlichkeit zugänglich. In Google’s Realtime-Search sind vorerst noch keine Posts von Facebook und Myspace enthalten, was aber noch kommt. Doch keine Angst, nur wer seine Seite öffentlich macht, wird in den Index aufgenommen.

Was bedeutet das für Unternehmen? Das Stichwort lautet: Reputations-Management. So stellen twitterlists bereits jetzt ein Mittel dar, mit dem dann auch großer Schaden angerichtet werden kann. Wie Michael Grey kürzlich bewiesen hat, gehört nicht viel dazu, dank dieser Listen Matt Cutts unter der Suchphrase „People who bought links“ auf Platz 1 (bei Google!) ranken zu lassen. Ein schönes Beispiel, das zeigt, wie wichtig es ist, kontinuierlich zu überprüfen, wie und mit welchem Inhalt der eigene Name im Web auftaucht und dementsprechend zu reagieren. Zu erwähnen wäre da noch die neue Konkurrenz, die mit diesen Social Results in den SERPs entsteht. Dann heißt es nicht mehr nur, mit gut rankenden Wettbewerbern um Top-Positionen zu konkurrieren, und das betrifft auch die Paid Listings. Angenommen in den SERPs wird Marke X von Max Mustermann aus persönlichen Erfahrungen empfohlen und in den Anzeigen Marke Y – wie wird die Wahl ausgehen? Rebecca Lieb prognostiziert deshalb einen Wandel der Paid Ads, vor allem im Konsumgüterbereich, in Richtung Preis- und Zusatzaktionen.

Es bleibt allerdings abzuwarten, wie ein Suchender vor völlig irrelevanten Social-Network-Einträgen à la „Gehe jetzt schlafen“ bewahrt werden soll. Der Algorithmus soll es möglich machen, dass Google Themen als realtime-relevant identifiziert. Ein erster Versuch zeigt, dass bei dem generischen Suchwort „sleep“ realtime-Posts erst am unteren Ende der 1. Trefferseite erscheinen. Bei der Suche nach dem derzeit skandalumwitterten Tiger Woods sieht das schon ganz anders aus, zwischen aktuellen seriösen Nachrichten-Tweets sieht man innerhalb von 20 Sekunden nur eine Meldung, in der ein Fan darum bittet, den guten Woods in Ruhe zu lassen. Genauso prominent die Tweets für General Motors. Das oben erwähnte Monitoren des eigenen Firmennamens, gewinnt da gleich noch mehr an Bedeutung.

Reputationsmanagement/ Social Media Optimization und Suchmaschinenoptimierung wachsen einen Schritt mehr zusammen, doch anders als bisher ist es nun zu spät, wenn sich die öffentliche Meinung bereits gegen einen gerichtet hat: Prävention ist angesagt, damit Konflikte frühzeitig abgefangen werden können, denn wenn sie erst ausgebrochen sind, dann wandern sie nun in Echtzeit auf die Suchergebnisseite.

Rein aus SEO-Sicht bietet die Relevanz dieser Netzwerke zusätzlich neue Möglichkeiten, da sie eine Plattform für Linkbaiting-Strategien eröffnen. Einzigartiger und spannender Content erzeugt Aufmerksamkeit, die wiederrum die Linkpopularität erhöhen kann. Die neuen Links kommen dann von Bloggern, Webmastern, Usern… Diese Backlinks stellen einen unverzichtbaren Wert für die eigene Seite in den Augen der Suchmaschinen dar. Aber auch der Image- und Awarenessfaktor ist ein bedeutendes Argument für den Aufbau einer Präsenz in diesen Communities. Neben den Risiken gibt es also auch großes Potenzial, Marken und Unternehmen positiv darzustellen. So sollte die Optimierung der Social Media-Aktivitäten so früh wie möglich ein fester Bestandteil des (Online-) Marketing-Mix in jedem Unternehmen werden.

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