Fingerprinting

Dieser Begriff, auch in der Kombination als Fingerprint Targeting, taucht in letzter Zeit häufiger im Zusammenhang mit Online Marketing auf. Grundgenug, sich der Sache anzunehmen und zu ermitteln, was wir uns darunter vorstellen können.

Fingerprinting ist ein Verfahren zur Identifikation von Webseitenbesucher. Dabei werden die Merkmale erfasst, die ein Internetbrowser an eine besuchte Webseite übergibt. Da es eine Fülle von unterschiedlichen und individuellen Computer-, System, und Browsereinstellungen gibt – wie beispielsweise Zeitzone, Betriebssystem, Browserversion, installierte Fonts, Bildschirmauflösung, Device Token, installierte Plugins, u.v.m. – lässt sich über die Kombination dieser Merkmale ein Webseitenbesucher mit einer hohen Wahrscheinlichkeit als „unique visitor“ identifizieren.

Fingerprinting
Da dieses Verfahren ohne das Schreiben von Cookies auskommt, gewinnt es vor dem Hintergrund der politischen Diskussion zu diesem Thema an
Relevanz.

Siehe dazu:
datenschutz-praxis.de
europa.eu

Fingerprinting ist also eine alternative Variante, User für das Webtracking zu Identifizieren und könnte daher auch als Fingerprint Tracking bezeichnet werden.

Auf dieser Seite kann getestet werden, welche Merkmale über den eigenen PC ausgelesen werden und wie einzigartig diese Kombination ist:

panopticlick.eff.org

Was ist nun aber unter Fingerprint Targeting zu verstehen?

Der Begriff Targeting hat sich im Online Marketing bereits etabliert. Darunter ist das gezielte Ansprechen definierter Internetnutzer mit Onlinewerbung zu verstehen. Beispielsweise um Streuverluste zu minimieren. Targeting wird mittlerweile in diversen Ausprägungen eingesetzt. Es kann eingesetzt werden zur Eingrenzung der Werbemittelauslieferung auf regionaler Ebene oder auf Internetnutzer die mit einem bestimmten Provider ins Internet gehen oder auf Basis der Profildaten eines E-Mail-Accounts im eingeloggten Zustand, bei dem Angaben zu Geschlecht, Alter, Interessen gemacht wurden. Neben zahlreichen Möglichkeiten, bestimmte Merkmale zu erkennen und danach zu selektieren, gibt es auch die Methode einen Cookie zu schreiben. Der wird anbieterseitig identifiziert und sorgt dafür, dass das Surfverhalten des Users in Datenbanken protokolliert werden kann. Aus diesem Protokoll wird ein statistisches Profil ermitteln, dem diverse Attribute zugeordnet werden. Behavioral Targeting. Über diese Verfahren wird ex ante die Auslieferung von Werbemitteln eingegrenzt.

Demnach ist Fingerprint Targeting eine Methode zur gezielten Ansprache von Internetnutzern mit Werbung, um den User zu identifizieren wird allerdings anstelle des Cookies der Fingerprint auf Basis der individuellen Computereinstellungen verwendet. Für die Displaywerbung würde das bedeuten, dass der AdServer diese Daten auslesen müsste, um dann bei einer Werbemittelabfrage ein bestimmtes Motiv an einen bestimmten User nach vordefinierten Regeln auszuliefern.

Allerdings konnten keine der großen AdServer Unternehmen bestätigen, dass  ihre AdServer diese Funktionalität beinhalten. Das Verfahren soll aufwendig sein und noch keine breite Anwendung erfahren haben. Ansonsten wäre es aber denkbar,  dass an die Stelle der Cookie ID die Fingerprint ID tritt und die Modelle des predictive behavioral Targetings auch ohne Cooki droping angewendet werden könnte.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass Fingerprinting eine Alternative zum Cookie ist, mit dessen Hilfe ein Internetnutzer identifiziert werden kann und damit sowohl für das Webtracking als auch das Targeting verwendet werden kann.  Vorteil der Fingerprint Variante ist, dass sie nicht wie ein Cookie gelöscht werden kann. Da es aber anscheinend kein AdServer Unternehmen gibt, das dieses Verfahren schon einsetzt, kann von Fingerprint Targeting in der Praxis momentan keine Rede sein.

Ausblickend ist desweiteren festzuhalten, dass die politische Rahmenlage in Deutschland trotz bestehender EU-Richtlinie nicht vermuten lässt, dass der Modus operandi  bei der Verwendung von Cookies geändert werden muss. Daher ist momentan die Notwendigkeit nicht gegeben, dieses Verfahren weiterzuentwickeln oder einzusetzen. Würde es vermehrt zum Einsatz kommen, wäre auch hier die Datenschutz und Privacy Diskussion erneut zu führen, da sich die aktuelle Diskussion explizit auf Cookies bezieht und nicht generell auf Techniken zum Erfassen und markieren von Internetnutzern.

 

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