IP-Adressen und SEO

geschrieben von Tom Alby am 15.09.2009

Ob eine eigene IP-Adresse etwas bringt für die Suchmaschinenoptimierung, darüber scheiden sich die Geister. Johannes sieht die eigene IP-Adresse zum Beispiel als untergeordneten Punkt für die Suchmaschinenoptimierung an, und auch die Kommentare zu dem Sistrix-Artikel behandeln das Thema IP-Adresse allein aus der Perspektive des Linkaufbaus.

Doch IP-Adressen haben in der Suchmaschinenoptimierung eine größere Bedeutung. Schließlich steht eine IP-Adresse in der Regel für einen Server oder eine Maschine. Auf einem Server können sich mehrere Hosts befinden. Ein Host kann www.[domain-name].de sein oder [domain-name].de, er ist also etwas anderes als eine Domain (oder, genauer gesagt, eine Second-Level Domain).

Jeder Host wird unterschiedlich behandelt (es sei denn, es finden Redirects von einem zum anderen Host statt), denn jeder Host kann einer anderen Person gehören. So bieten zum Beispiel Dienste wie Blogspot Subdomains an (z.B. wiebkeswelt.blogspot.com), was ein anderer Host ist als conversionroom-de.blogspot.com. Hosts können unterschiedlich wichtig sein in den Augen von Google; jeder Host hat schließlich auch einen eigenen PageRank. Die Schlussfolgerung ist, dass ein Host aufgrund seiner „Wichtigkeit“ häufiger und tiefer gecrawlt wird als ein anderer Host mit der gleichen Second-Level Domain auf der gleichen IP-Adresse.

Was bedeutet das nun für die Suchmaschinenoptimierung? Die Crawler jeder professionellen Suchmaschine versuchen so höflich wie möglich zu einem Server zu sein. Sie gehen davon aus, dass eine IP-Adresse einem Server zugeordnet ist und werden diese IP-Adresse nicht mehr als einmal pro Sekunde (in manchen Fällen auch häufiger) mit einer Anfrage „befeuern“. Wenn wir von einer Abfrage pro Sekunde ausgehen, dann sind das 60 Abfragen pro Minute, 3.600 Abfragen pro Stunde oder 86.400 Abfragen pro Tag. Das klingt nach einer Menge. Sind nun aber 100 Hosts auf einer IP-Adresse, so wären das 864 Abfragen pro Host pro Tag. Bei jedem Host wird zunächst einmal die robots.txt abgefragt, theoretisch werden also bei 100 Hosts auf einer IP-Adresse 863 Seiten pro Tag gecrawlt. Aber das ist halt nur ein theoretischer Wert. Denn zum einen wird Google nicht über einen ganzen Tag lang jede Sekunde eine IP-Adresse befeuern, zum anderen hatten wir ja bereits festgestellt, dass ein Host wichtiger sein kann als ein anderer auf der gleichen IP-Adresse. Die aufgrund von einer höheren Linkpopularität wichtigeren Hosts nehmen sozusagen den unwichtigeren Hosts auf der gleichen IP-Adresse die Crawl-Ressourcen weg. Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass eine neue Site, die sich eine IP-Adresse mit anderen Hosts teilt, nicht so schnell und nicht so tief gecrawlt wird wie erwartet und erwünscht. Shared Hosting kann also definitiv Nachteile haben für die Suchmaschinenoptimierung, insbesondere, wenn nicht Hundert andere Hosts auf der gleichen IP-Adresse hocken sondern mehrere Hundert oder sogar Tausende wie bei manchem Billig-Hostinganbieter.

Heißt das nun, dass man für jedes neue Projekt eine eigene IP-Adresse benötigt? Nein, das heisst es nicht, es sei denn, man hat sehr viele Dokumente auf seinem Host, die auch regelmäßig aktualisiert werden sollen. Bei kleinen Projekten lohnt sich eine eigene IP-Adresse nicht, aber gleichzeitig muss auch hier darauf geachtet werden, dass nicht zu viele Hosts auf der gleichen IP liegen. Konkretes Nachfragen beim Hoster hilft hier, wobei sich die Hoster nicht selten in Aussagen über die Anzahl der Kunden pro CPU-Kern retten. Dies sagt aber nichts aus: Ein Rechner kann mehrere CPU-Kerne haben und jeder Kunde mehrere populäre Sites, so dass auch bei 10 Kunden pro CPU-Kern eine drei- oder vierstellige Anzahl von Sites auf einer IP liegen kann.

Das Hosting ist aber auch aufgrund eines anderen Faktors ein wichtiger Faktor: Auch bei wenigen Kunden pro Server kann die Geschwindigkeit der Auslieferung von Seiten durch schlecht programmierte Skripte in Mitleidenschaft gezogen werden. Selbst bei einer eigenen IP-Adresse kann dies der Fall sein, denn ein Rechner kann durchaus mehrere IP-Adressen haben, so dass auf dem gleichen Rechner auch andere Kunden ihr “Unwesen” treiben, sofern es keinen Schutz davor gibt. Wie sehr Google eine schnellere Auslieferung von Webseiten honoriert, ist nicht offensichtlich, aber klar ist, dass eine langsamere Auslieferung zu weniger häufigen Abfragen führt, um den Server nicht zu belasten und somit nicht so tief und nicht so häufig gecrawled werden kann.

Fazit: Professionelles Hosting für die eigene Webseite ist wichtig für die Suchmaschinenoptimierung, und auch die eigene IP-Adresse kann, je nach Fall, wichtig sein. Es ist allerdings eher ein Hygienefaktor als der Faktor, der die Nadel zum Ausschlag führt beim Optimieren der Seite. Mit anderen Worten: Schlechtes Hosting, schlechtes Ranking, gutes Hosting, Chance aber keine Garantie auf gutes Ranking.

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    Was mich mal zum Thema Linknetzwerk interessieren würde ist:

    Was ist mit der Impressumspflicht?
    Wenn man keine Abmahnungen riskieren möchte, sollte man ein Impressum haben.

    Über diese Daten weiss Google doch auch, daß alle Links von der gleichen Person kommen, selbst wenn die verlinkenden Seiten auf unterschiedlichen Servern liegen usw.

    Wenn man also z.B. 100 Links von “weit entfernten”, themenrelevanten Seiten erhält, aber im Impressum jedes Mal Hans Meier steht, dann riecht Google den Braten doch. Ob ein Ausschluß des Impressums per robot.txt oder per noindex,nofollow was bringt?

    Schönen Gruss

    Jörg

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