Dass ein Keyword in der URL in der Onsite-Optimierung etwas bringt, darin sind sich alle SEOs einig. Wieviel es genau bringt, darüber gibt es keine allgemeingültigen Zahlen, denn zum einen verändern sich Googles Algorithmen, zum andern sind die Faktoren, die in die Rankingberechnung hineinspielen, dynamisch gewichtet. Dies gilt nicht nur für Keyword-Treffer in URLs.
Dies sollte jedoch keine Entschuldigung dafür sein, nicht zumindest eine Annäherung zu finden. Und so haben bereits einige SEOs interessante Experimente durchgeführt, zum Beispiel der Kollege Stefan Fischerländer im Rahmen der SeoCampixx. Das SEO-Team von uniquedigital hat einen weiteren Blick auf die einzelnen Ranking-Faktoren geworfen und dazu Experimente entworfen und durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Experimente werden wir nun in einer wöchentlichen Serie in diesem Blog vorstellen, angefangen mit der Bedeutung von Keywords in URLs.
In diesem Experiment wurden die Daten zunächst auf die folgenden Fragestellungen untersucht:
- Existiert ein Keyword überhaupt in einer URL?
- Existiert ein Keyword bereits im Domain-Namen?
- Welche Rolle spielt die Position des Keywords in einer URL?
- Gibt es Unterschiede in der Bedeutung des URL-Matches bei Long Tail und Head-Queries?
Im ersten Teil der Auswertung dieser Experimente konzentrieren wir uns auf die Frage, welche Auswirkung die Existenz des Keywords in der URL auf das Ranking hat, und zwar zum einen für populäre Suchanfragen, zum anderen für weniger häufig gesuchte Anfragen. Dazu haben wir mehr als 2.000 Suchanfragen bei Google abgefragt, ca. 1.000 häufig gesuchte Anfragen und ca. 1.000 selten gesuchte Anfragen. Für die häufig gesuchten Anfragen wurden die Top Suchanfragen eines Tages einer Suchmaschine verwendet, für die Long Tail-Suchanfragen eine zufällig ausgewählte Menge aller Suchanfragen, die durchschnittlich weniger als 100 Mal pro Monat gesucht werden. Wir haben uns für alle Suchanfragen die Top 100 Ergebnisse von Google angesehen. Eine kleine Einschränkung in der Population der Suchanfragen gab es allerdings: Da Google & Co Filter nutzen, um erotische Inhalte auszublenden, wurden hormongesteuerte Suchanfragen aus den Listen entfernt; schließlich würden diese das Bild sehr wahrscheinlich verfälschen.
Die Hypothese für das erste Experiment ist, dass es für beide Arten von Suchanfragen gleich wichtig ist, die Suchanfrage in der URL zu haben. Doch hier ergibt sich gleich das erste Problem: Häufig gesuchte Anfragen sind in der Regel kurz und bestehen selten aus mehr als einem Wort. Selten gesuchte Anfragen bestehen meist aus mehr als einem Wort. In unserem Experiment ist die durchschnittliche Query-Länge der häufigen gesuchten Anfragen 1,41 Terme, die der selten gesuchten 2,28. Bei einer Suchanfrage wie <altes backsteinhaus renovieren> ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir alle Begriffe dieser Suchanfrage in einer URL finden werden, selbst wenn wir ein Stemming anwenden würden. Außerdem sind nicht unbedingt alle Begriffe einer Suchanfrage wichtig, da sie zum Teil Stop Words sein können: der Artikel „die“ in der Suchanfrage <die leiseste festplatte> ist nicht sinntragend. In unserem Experiment gehen wir dennoch so vor, dass wir für jeden Term innerhalb einer Suchanfrage testen, ob er in der Suchanfrage vorkommt oder nicht; ein Match wird dann für jeden Term einzeln anteilig gezählt. Beispiel: Wird für die Suchanfrage <altes backsteinhaus renovieren> die URL www.tolle-url.de/backsteinhaus-renovieren.html gefunden, so gäbe es dafür 0.67 Punkte. Nicht berücksichtigt ist hier das von allen Suchmaschinen genutzte Stemming, d.h. für die Suchanfrage <die leiseste festplatte> würde bei einer URL wie www.tolle-url.de/leise-festplatten.html kein einziger Match gezählt werden.
Schauen wir uns nun die Ergebnisse an, einmal für populäre Suchanfragen (rote Linie), einmal für seltene Suchanfragen (grüne Linie). Die x-Achse zeigt die Position in der Suchergebnisliste von Google an, die y-Achse das Auftreten bei ca. 1.000 Suchanfragen.

Das Ergebnis überrascht zunächst: Auf den ersten Positionen ist es für populäre Suchanfragen nicht so wichtig, das Keyword in der URL zu haben? Das kann kaum stimmen, außer das Ranking ist auf den ersten beiden Positionen anders als auf den restlichen Positionen. Und tatsächlich gibt es ein Ranking-Muster, das jedem schon einmal aufgefallen ist: Google rankt sehr gerne Wikipedia auf den ersten beiden Plätzen, und nicht jeder Wikipedia-Artikel hat die Keywords tatsächlich in der URL. So wird für die Suchanfrage <sms> der Wikipedia-Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Short_Message_Service gefunden. Wir nennen dies den Wikipedia-Effekt, den wir auch in anderen Experimenten immer wieder gefunden haben.
Bereinigt man die Daten dadurch, dass alle Wikipedia-URLs nicht mitgerechnet werden, so sieht das Bild schon anders aus (siehe Grafik 2). Zwar ist bei den Plätzen 2 bis 6 immer noch ein nicht eindeutiger Trend zu erkennen, doch das Gesamtbild der Kurve zeigt zumindest, dass das Keyword in der URL vorteilhaft ist.

Dies gilt für populäre Suchanfragen mehr als für seltene Suchanfragen. Hier ist noch mal der Effekt zu berücksichtigen, dass in einer Long Tail-Suchanfrage nicht-sinntragende Terme enthalten sein können, die in einer URL nicht genutzt werden. Aber dies scheint nicht der einzige Effekt zu sein. Bei einer Suchanfrage wie <vw golf motorsport> rankt http://www.favoriten.de/tag/gti.html auf Platz Nummer 1, ohne einen einzigen Match in der URL (dafür aber im Titel). Das gleiche ist bei ttp://freedivxmovie.blogspot.com/ für die Suchanfrage <kostenlose movies> zu beobachten. Sicherlich ist hier ein zweiter Blick auf die Daten notwendig, den wir in einer der nächsten Folgen dokumentieren werden.
Insgesamt bieten diese Ergebnisse keine Überraschung: Das Keyword in der URL hat einen positiven Effekt. Aber gleichzeitig, schaut man sich die Daten genauer an, sind die Unterschiede zwischen der 1. und der 100. Position nicht so gewaltig bei den populären Suchanfragen. Wenn auf Platz 1 677 von 1.000 URLs das Keyword oder einen Teil davon in der URL hatten, auf Platz 100 immer noch 532, so scheinen die meisten die Bedingung bereits zu erfüllen und es ist nicht DAS Kriterium, mit dem man noch groß etwas reißen könnte. Es könnte als eine Art Hygienefaktor angesehen werden, der notwendig ist, um überhaupt im Rennen um die besseren Positionen mitspielen zu können.
Man könnte die Daten aber auch anders lesen. Es gibt sehr viele SEOs, die auf die populären Suchanfragen optimieren, und natürlich beachten sie alle die Regel, Keywords in die URL aufzunehmen. Dass dennoch einige hinten landen, könnte an anderen Faktoren liegen, die wir hier noch nicht untersucht haben. Auch hier ist in einer der nächsten Wochen ein genauerer Blick notwendig.
Für den Long Tail scheint der Effekt des Keywords in der URL viel größer zu sein, schließlich bewegen wir uns hier von über 400 Matches auf Platz 1 zu unter 200 auf Platz 100. Wer auf den Long Tail optimieren will, sollte also zusehen, dass er möglichst viele Keyword-Kombinationen in der URL erschlagen kann. Tatsächlich sehen wir auf den oberen Positionen hier Seiten, die sich genau auf diesen Long Tail von Suchanfragen spezialisiert haben.
Bisher haben wir keine Überraschungen gesehen, spannender wird es in der nächsten Woche, wenn wir uns nicht nur die Bedeutung der Position des Keywords in der URL ansehen, sondern auch die Korrelation zu anderen Faktoren untersuchen